COMPOSER-IN-RESIDENCE 2016

Erkki-Sven Tüür

Der 1959 in Kärdla auf der estnischen Insel Hiiumaa geborene Erkki-Sven Tüür gehört zu den bemerkenswertesten Komponisten seiner Generation. Seine musikalische Ausbildung erfolgte zunächst autodidaktisch, dann an der Musikschule Tallinn. Später studierte er Komposition bei Jaan Rääts an der Musikakademie Tallinn sowie privat bei Lepo Sumera.

1979 gründete Tüür das Ensemble „In Spe“, das bald zu den beliebtesten Rockgruppen Estlands zählte. Bis 1983 engagierte er sich für dieses Ensemble als Komponist, Flötist, Keyboarder und Sänger. Von 1989 bis 1992 unterrichtete Tüür Komposition an der Estonian Academy of Music.

Seinen ersten großen Erfolg außerhalb Estlands errang er in Finnland mit Insula deserta (1989). Dieser Erfolg führte zu einer stetig anwachsenden Zahl von Kompositionsaufträgen. Das Orchester ist dasjenige kompositorische Medium, für welches Tüür vorzugsweise komponiert. Seine Werke werden durch herausragende Orchester aufgeführt:  BBC Philharmonic Orchestra, Philharmonia Orchestra, Royal Concertgebouw Orchestra, Münchner Philharmoniker, NDR Sinfonieorchester, Chicago Symphony Orchestra, Cleveland Symphony Orchestra etc.

Er ist einer der künstlerischen Leiter des Internationalen Festivals NYYD in Tallinn.

„Bei meinem kompositorischen Schaffen handelt es sich ausschließlich um das Verhältnis zwischen geistiger und emotionaler Energie sowie um die Möglichkeiten, diese zu lenken, zu konzentrieren, zu liquidieren und wieder ansammeln zu lassen. Meine Stücke stellen abstrakte, klingende Dramen dar mit vielen agierenden Personen und extrem dynamischen Handlungssträngen; sie entfalten sich innerhalb eines Raumes, der sich unablässig verschiebt, ausdehnt und zusammenzieht, aber nicht etwa wie ein feingliedriges Mosaik, sondern eher wie eine säulenhafte Skulptur.

Ich hegte immer ein starkes Interesse für die Verbindung von Gegensätzen – Tonalität/Atonalität, regelmäßig wiederkehrende Rhythmen/unregelmäßige komplexe Rhythmen, Besonnenheit/explosive Theatralik – und vor allem für die Art und Weise, wie sich diese Gegensätze allmählich durchdringen und gegenseitig ablösen.

In meinen Kompositionen seit etwa 2002 (Oxymoron,  Meditatio, 5. Sinfonie, Noesis) zeigt sich ein anderer kompositorischer Ansatz: Ich habe eine Methode entwickelt, die ich ‚vektorielles Schreiben‘ nenne, da das Prinzip der Stimmführung im weiteren Sinn den Projektionen von Vektoren in unterschiedliche Richtungen folgt. Gleichzeitig wird das zu Grunde liegende kompositorische Material durch einen bestimmten numerischen Code definiert, der wie ein Gen funktioniert, das die gesamte kompositorische Formung und alle möglichen Variantenbildungen und Transformationen in sich trägt. Diese Technik erlaubt mir, eine sehr viel größere harmonische Varianz zu erreichen, ohne den Zusammenhalt des Werkes zu gefährden.“
(Erkki-Sven Tüür)

 

Rückblick - Composer bis 2016

Thomas Adès, Großbritannien
Gustavo Beytelmann, Argentinien
Chen Yi, China
Sofia Gubaidulina, Russland
John Harbison, USA
David Philip Hefti, Schweiz
Olli Mustonen, Finnland
Helmut Oehring, Deutschland
Matthias Pintscher, Deutschland
Torsten Rasch, Deutschland
Wolfgang Rihm, Deutschland
Esa-Pekka Salonen, Finnland
Iris ter Schiphorst, Deutschland
Steffen Schleiermacher, Deutschland
Daniel Schnyder, Schweiz
Steven Stucky, USA
Mark-Anthony Turnage, Großbritannien
Erkki-Sven Tüür, Estland
Jörg Widmann, Deutschland
Zhou Long, China

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